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Lackig vs. Laktisch – sensorische Unterschiede

| World-Spirits Flash & Fibel

„Lackig vs. Laktisch – sensorische Unterschiede“ ist ein kleines, aber wichtiges Thema für alle, die Aromen von Spirituosen, Weinen und Likören präzise benennen wollen. Die beiden Begriffe klingen ähnlich, beschreiben aber völlig verschiedene Aromaprofile. Eine saubere Unterscheidung hilft bei der sensorischen Analyse, bei der Produktbewertung und beim Verständnis, wie Reifung, Herstellung und kulturelle Stile Aromen formen.

Was bedeutet „lackig“?

Der Begriff lackig bezeichnet einen Eindruck, der an Lösungsmittel, frische Lackschichten oder säuerlich-essigartige Ester erinnert. Er ist kein einzelnes Molekül, sondern eine sensorische Beschreibung für Aromen, die oft als störend oder unausgereift empfunden werden.

Typische Ursachen für einen lackigen Eindruck

  • Essigester: Bestimmte Ester können einen lackigen, stechenden Geruch erzeugen. In vielen Fällen gelten sie als Fehler.
  • Bestimmte Fruchtcharaktere: Einige Früchte wie Wildpflaume oder Maulbeere bringen natürliche Noten, die als lackig interpretiert werden können.
  • Frisches Holzfass kombiniert mit Alkohol: Frisches Fassholz kann zusammen mit noch dominierendem Alkohol eine lackige Note erzeugen.
  • Unzureichende Reifezeit: Selbst hochwertige Weiß- oder Dessertweine können lackig wirken, wenn die optimale Lagerzeit noch nicht erreicht ist.

Ein lackiger Eindruck muss nicht dauerhaft negativ bleiben. Mit Zeit und kontrollierter Reifung kann dieser Eindruck abnehmen und sich in harmonischere Aromen verwandeln.

Verkostungstisch mit mehreren Spirituosen-Gläsern, Wassergefäßen und Bildschirm 'Sensorisches Wissen' im Hintergrund

Was bedeutet „laktisch“?

Laktisch bezieht sich auf Milchsäure und das breite Aromenspektrum, das aus milchsaure Fermentationen oder Milchsäurebakterien resultiert. Diese Noten reichen von frischer Milchsäure über säuerliche Milchprodukte bis hin zu reifen Käsenuancen.

Typische laktische Aromen

  • Buttermilch
  • Joghurt
  • Molke
  • Buttersäure-ähnliche Noten (buttrig)
  • Reifer Hartkäse
  • Sauerkraut-ähnliche Säure
  • Würzige oder gereifte Käsenuancen

Diese Aromen sind keineswegs per se schlecht. In vielen Produkten sind sie sogar stilprägend und erwünscht. Entscheidend ist die Intensität und die Einbettung in das Gesamtbild des Produkts.

Moderator frontal mit mehreren Verkostungsgläsern auf dem Tisch und gut lesbarem Hintergrund 'Sensorisches Wissen Kompakt'.

Vom Fehler zur Stilistik: Wann ist etwas problematisch?

Die Frage, ob ein lakiger oder laktischer Eindruck unerwünscht ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Entscheidend sind Kontext und Intensität.

  • Wenn Essigester dominant auftreten, sprechen viele Produzenten und Sensoriker von einem Produktfehler.
  • Laktische Noten können durch Milchsäurebakterien oder bestimmte Fermentationsprozesse absichtlich entstehen und sind in einigen Kulturen und Produktkategorien erwünscht.
  • Die Reifephase spielt eine große Rolle. Ein zunächst lackiger Eindruck kann sich mit Lagerung in einen milderen, laktischen Charakter wandeln.

Beispiel: Wein und Reifung

Ein junges Weißwein-Exemplar kann wegen frischem Fassholz und dominanten Alkoholnoten lackig wirken. Mit Monaten oder Jahren im Keller lösen sich diese Eindrücke oft und es treten runde, milde Aromen auf, teilweise mit laktischem Charakter durch mikrobielle Einflüsse oder malolaktische Gärung.

Referent sitzt mittig hinter drei Verkostungsgläsern und einem Dekanter; im Hintergrund 'Sensorisches Wissen' Display erkennbar.

Kulturelle Einordnung: Laktische Aromen als Stilmittel

Manche Spirituosen und traditionelle Getränke leben gerade von ihren laktischen Noten. Ein prägnantes Beispiel ist das chinesische Nationalgetränk Maotai, das typischerweise eine laktische Komponente besitzt. Diese Noten sind kulturell verankert und Teil des Stils, nicht eines Fehlers.

Moderator vor Verkostungs-Gläsern und Dekanter, Banner mit ‚Sensorisches Wissen Kompakt‘ im Hintergrund

Auch bei Likören oder aromatisierten Spirituosen können buttrige oder joghurtähnliche Eigenschaften bewusst eingesetzt werden. Entscheidend bleibt die Balance: In geringen Dosen ergänzen laktische Noten Cremigkeit und Komplexität, in zu hoher Intensität wirken sie störend, zum Beispiel wenn Sahne in einem Likör anfängt zu verderben.

Sensorische Tipps: Wie erkennt man den Unterschied?

Bei der sensorischen Beurteilung hilft ein strukturiertes Vorgehen. Folgende Schritte erleichtern die Unterscheidung zwischen lackig und laktisch.

  1. Kurz und fokussiert riechen — mehrmals, nicht zu tief. Der erste Eindruck zeigt oft, ob es sich um stechende Ester oder milde milchige Noten handelt.
  2. Auf Temperatur achten — kältere Temperaturen können stechende Ester dämpfen, wärmere Temperaturen die milchigen Noten verstärken.
  3. Intensität bewerten — ist die Note dominant oder nur als feiner Anklang vorhanden?
  4. Kontext prüfen — passt die Note zum Stil des Produkts (z. B. Maotai, gereifter Wein) oder wirkt sie fehl am Platz?
  5. Entwicklung beobachten — verändert sich der Eindruck nach etwas Zeit im Glas oder nach Lagerung?

Ein praxisnaher Merkzettel:

  • Lackig: stechend, acetisch, lösungsmittelartig, oft als Fehler interpretiert.
  • Laktisch: milchig, buttrig, joghurtähnlich, käseartige Noten, kulturell und stilistisch relevant.

Moderator mit mehreren Probiergläsern und Dekanter; Hintergrund zeigt Schriftzug 'Sensorisches Wissen Kompakt'

Konsequenzen für Produzenten und Konsumenten

Produzenten sollten wissen, wann laktische Noten erwünscht sind und wie man eine lackige Dominanz vermeidet. Maßnahmen umfassen:

  • Kontrolle der Fermentation und mikrobiellen Flora
  • Sorgfältige Auswahl und Reifung von Fässern
  • Ausreichende Lagerzeit vor dem Verkauf
  • Sensorisches Monitoring während der Produktionskette

Konsumenten und Fachleute profitieren davon, Begriffe richtig zuzuordnen. Wer „lackig“ und „laktisch“ unterscheiden kann, trifft besser informierte Kaufentscheidungen und gibt präzisere Verkostungsnoten.

Beschreibende Adjektive und Vergleichsreferenzen

Manchmal hilft es, Aromen mit vertrauten Referenzen zu beschreiben. Folgende Liste dient als Erinnerungshilfe:

  • Lackig: Nagellackentferner, frische Lackschicht, Essigester, bitter-scharf
  • Laktisch: Buttermilch, Joghurt, Molke, reifer Käse, sauer-salzig

Diese Vergleiche sind keine chemischen Definitionen, sondern sensorische Anker, die das Einordnen von Eindrücken erleichtern.

Praktische Übung: Verkostungsaufgabe

Eine einfache Übung für das Sensoriktraining:

  1. Wähle drei Proben: eine junge Fass-weinprobe, eine gereifte Spirituose und ein Produkt mit bekannter laktischer Note.
  2. Notiere den ersten Geruchs- und Geschmackseindruck ohne Zeitdruck.
  3. Bewerte Intensität, Dauerhaftigkeit und Passung zum Produktstil.
  4. Diskutiere die Eindrücke mit anderen: Stimmen die Einschätzungen überein?

Solche Übungen schärfen die Wahrnehmung und helfen, die Grenze zwischen lackig und laktisch zuverlässig zu erkennen.

scharfes portrait eines experten vor regal mit probeflaschen

Zusammenfassung

Die Unterscheidung „Lackig vs. Laktisch – sensorische Unterschiede“ ist ein praktisches Werkzeug: lackig beschreibt oft stechende, acetische oder lösungsmittelartige Aromen, während laktisch ein Spektrum milchiger, buttriger und käseartiger Nuancen umfasst. Beide Eindrücke haben unterschiedliche Ursachen, unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe und unterschiedliche Konsequenzen für Produktion und Genuss. Kontext, Intensität und kultureller Stil entscheiden darüber, ob ein Aroma als Fehler oder als gewünschtes Charakteristikum gilt.

Weiterführende Hinweise

Sensorik ist Übungssache. Kleine, regelmäßige Verkostungen mit klaren Referenzen schärfen die Wahrnehmung und helfen, Begriffe wie lackig und laktisch sicher anzuwenden. Kenntnisse über Produktion, Reifung und kulturelle Kontexte geben zusätzliche Sicherheit bei der Einordnung.

Wer sich tiefer mit dem Thema beschäftigen möchte, profitiert von systematischem Sensoriktraining, dem Studium von Aromakarten und dem Austausch mit anderen Sensorikern. Die Fähigkeit, fein zu unterscheiden, erhöht die Wertschätzung und das Verständnis für die Vielfalt von Aromen in Spirituosen, Weinen und Likören.

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FAQ - Häufig gestellte Fragen

Welche Rolle spielt Malolaktische Gärung bei Weinen?

FAQ

Wie kann man schnell erkennen, ob ein Eindruck lackig oder laktisch ist?

Ein kurzer Riechtest hilft: Ist der Eindruck stechend, essigartig oder lösemittelähnlich, ist er meist lackig. Wirkt er milchig, buttrig oder käseartig, ist er laktisch. Zusätzliche Hinweise liefern Intensität und Passung zum Produktstil.

Ist lackig immer ein Qualitätsfehler?

Nicht immer, aber häufig. Persistent dominante Essigester gelten oft als Fehler. Manchmal ist ein initial lackiger Eindruck Teil der Reifung und kann sich mit Lagerzeit in ein harmonischeres Aroma verwandeln.

Sind laktische Aromen gesundheitlich bedenklich?

Nein. Laktische Aromen stammen von Milchsäure und verwandten Verbindungen. Sie sind in vielen traditionellen Lebensmitteln und Getränken üblich. Entscheidend ist die Produktqualität und Hygiene; Verderb durch Mikroorganismen kann jedoch unangenehme Nebenaromen erzeugen.

Können beide Eindrücke im selben Produkt vorkommen?

Ja. Ein Produkt kann sowohl lackige als auch laktische Nuancen zeigen, abhängig von Herstellung, Reifung und Mikroflora. Die Gesamteindrucks-Bewertung hängt von der Balance und Intensität beider Komponenten ab.

Die malolaktische Gärung wandelt Äpfelsäure in Milchsäure um und kann dadurch laktische Noten wie Buttrigkeit oder cremige Textur fördern. Sie beeinflusst den Stil und reduziert gleichzeitig scharfe Säuren, was oft als Qualitätsmaßnahme gezielt eingesetzt wird.

Warum ist die Zwetschke im Vergleich zur Mirabelle weniger rustikal?

Die Zwetschke wird weniger rustikal wahrgenommen, da sie nicht überreif geerntet wird. Überreife Früchte neigen dazu, rustikalere Noten zu entwickeln, während optimal gereifte Früchte elegante und duftige Aromen hervorbringen.

Welche Rolle spielt die Fruchtreife bei der Entwicklung des Destillats?

Die Fruchtreife spielt eine entscheidende Rolle für die Qualität des Destillats. Überreife Früchte können zu rustikaleren Noten führen, während optimal gereifte Früchte elegante und duftige Aromen hervorbringen. Die Reife der Frucht beeinflusst das Geschmacksprofil des Destillats maßgeblich.

Warum wird das Steinobst vor dem Brennen nicht entkernt?

Beim Brennen von Steinobst ist es entscheidend, dass die Stein- und Fruchtanteile in einem harmonischen Verhältnis stehen. Das Entkernen würde das Gleichgewicht zwischen Stein und Frucht stören und somit das Destillat beeinträchtigen. Beide Komponenten sind essentiell für ein ausgewogenes Destillat.

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